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OKZIPITALNEURALGIE
Schmerz am Hinterkopf, Occipitalneuralgie

Manche Autoren schreiben das Wort "Okzipitalneuralgie" auch mit cc (Occipitalneuralgie).

Der Begriff "Okzipitalneuralgie" bezeichnet in der ursprünglichen Bedeutung anfallsartige Nervenschmerzen am Hinterkopf bzw. Hinterhaupt, beschränkt auf die Innervationsgebiete (= Versorgungs- bzw. Einflußgebiete) der paarigen Okzipitalnerven occi pitalis major und minor.
Der N.
occi pitalis major versorgt sensibel (= die Empfindungsvermögen betreffend) den (gleichseitigen) Hin terkopf bis zur Scheitelhöhe und der N. occi pitalis minor einen relativ kleinen Bereich hinter dem Ohr.

Die primäre, idiopathische (= als eigenständige Erkrankung auftretende) Okzipitalneuralgie im Sinne einer echten Neuralgie ist relativ selten.
Es treten einseitig paroxysmale (= anfallsartig einschießende) Kopfschmerzen im Versorgungsgebiet des Nervus occi pitalis major auf (Hinterkopf bis Scheitelhöhe).
Im Gegensatz zur idiopathischen Trigeminusneuralgie fehlen typische Triggermechanismen (= Auslösemechanismen), allenfalls kann eine Schmerzattacke (= Schmerzanfall) durch Druck auf den NAP (= Nervenaustrittspunkt) ausgelöst werden.

Die isolierte, idiopathische Neuralg ie des Nervus occi pitalis minor, dessen Ausbreitungsgebiet sich lateral (= weiter außen, zum Oh r hin) anschließt, ist eine Rarität, die praktisch keine Rolle spielt. Vermutlich ist eine Neuralgie des N. occi pitalis minor meist mit der dominierenden N. occi pitalis major- Neuralgie vergesellschaftet und wird deshalb diagnostisch vernachlässigt.

Im schmerzfreien Intervall zeigen sich im Falle einer Occipitalneuralgie bei der körperlichen Untersuchung in der Regel keine Auffälligkeiten.
Die Diagnose einer Okzipitalneuralgie wird durch probatorische (= zur Klärung der Diagnose durchgeführte) Nervenblockaden mit z.B. 1-3 ml Mepivacain (z.B. Scandicain®1%) (= mittellang wirkendes Lokalanästhetikum bzw. örtliches Betäubungsmittel)

Häufig liegt aber keine echte Neuralgie, sondern eine atypische Form vor, gekennzeichnet durch meist einseitige Schmerzsensationen und längerfristigen Schmerzepisoden bis hin zu Dauerschmerzen bzw. Dauerkopfschmerzen. Meist wird der Schmerzcharakter mit dumpf und drückend angegeben. In der Regel ist die betroffene Okzipitalseite (= Hinterkopf bis Scheitelhöhe) druckschmerzhaft, das Ausbreitungsgebiet öfters klopfempfindlich. Häufig ist die paravertebrale (= neben der Wirbelsäule) Halswirbelsäule n muskulatur verspannt, auch finden sich öfters mehr oder weniger deutlich schmerzhafte Einschränkungen der Kopfbeweglichkeit.;
Die geschilderte Symptomatik
(= Krankheitszeichen) zeigt, daß eine Abgrenzung gegenüber dem okzipital (= den Hinterkopf bereffenden) betonten Spannungskopfschmerz und dem vertebragenen (von der Wirbelsäule ausgehenden) Kopfschmerz oft nicht möglich ist.

Medikamentöse Schmerzbehandlung
Akut (= plötzlich einsetzend, heftig) und subakut (= eher schleichend verlaufend) können zunächst (vorwiegend) peripher wirkende Analgetika (= Schmerzmittel, die am Ort der Schmerzentstehung wirken) eingesetzt werden, insbesondere sog. nicht steroidale
Antirheumatika (= Rheuma mittel), aus dieser Gruppe möglichst lang wirkende und magen schonende wie z.B. Meloxicam. Besonders magenschonend sind die sog. COX-2 Inhibitoren, z.B. Parecoxib oder Etoricoxib, allerdings scheint diese Stoffgruppe mit einem Herz-/Kreislauf-Risiko verbunden zu sein, zumindest bei längerer Therapiedauer. Es bleibt abzuwarten, ob Parecoxib und Etoricoxib nicht auch noch vom Markt genommen werden, wie schon andere Mittel dieser Stoffgruppe zuvor.
Bei stärkeren schmerzhaften Muskelverspannungen können darüber hinaus auch Muskel relaxanzien (= Mittel zur Entspannung von Muskeln) (z.B. Orphenadrin, Tolperison) verordnet werden.
Manchmal sind aber die Schmerz
zustände nur mit zentral wirkenden Analgetika (z.B. Tramadol, Tilidin, bzw. Tilidin mit Naloxon oder auch Morphin) (= im Gehirn bzw. Rücken mark wirkende Schmerzmittel) beherrschbar.
Sind die Schmerz
en eher anfallsartiger Natur, also im Sinne echter Neuralgien, so ist das Mittel der Wahl Carbamazepin (= ein Mittel zur Behandlung der Fallsucht, aber auch bei Schmerzanfälle n wirksam). Gabapentin oder Pregabalin wirken oft besser, sind aber teurer.
Grundsätzlich sollte aber auch bei einer
Okzipitalneuralgie (
Occipitalneuralgie) eine längerfristige Schmerzmittelverordnung wegen der Gefahr der Gewöhnung oder gar Schmerzmittelabhängigkeit vermieden werden.
Die Kombination mit schmerzdistanzierenden Antidepressiva
(= Mittel gegen Depression, aber auch bei einem chronischen Schmerz wirksam) (z.B. Doxepin, Maprotilin) hilft in vielen Fällen Schmerzmittel einzusparen.

Spezielle Schmerztherapie bzw. therapeutische Lokalanästhesie (= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel bzw. Lokalanästhetika):
Bei einem anhaltenden Schmerz sollten rechtzeitig alternative Methoden eingesetzt werden. Eine sehr wirksame Alternative, ohne jedes Gewöhnungs- oder Suchtpotential, ist die therapeutische Lokalanästhesie mit einem lang wirkenden örtlichen Betäubungsmittel (z.B. Bupivacain) in Form von Blockaden  (Betäubungen) der Okzipitalnerven (Nn. occipi
tales majores) am Hinterkopf. In hartnäckigen Fällen werden diese Blockaden 2-3 mal täglich über einen längeren Zeitraum (8-10 Tage) durchgeführt.
Eine elegante und für den betroffenen Patienten schonende, weil schmerzarme Methode, ist die kontinuierliche Nervenblockade* mit Katheter.

Dass die schmerzlindernde Wirkung i.d.R. über die eigentliche Behandlungszeit hinaus anhält, ist u.a. darauf zurückzuführen, daß bei dieser Blockadebehandlung auch die sog. vegetativen Nerven betroffen sind (Sympathikolyse), woraus im behandelten Körperbereich eine sehr deutliche Durchblutungssteigerung resultiert. Dies ist der Grund, warum diese Behandlungsmethode besonders bei Schmerzen, die durch entzündliche oder auch degenerative (= abnutzungsbedingte) Prozesse entstanden sind, hilfreich ist. Gleiches gilt für auch Schmerzen im Rahmen einer Nervenerkrankung (Neuralgien !), da eine verbesserte Durchblutung auch den Nervenzellstoffwechsel optimiert. Nach neueren Erkenntnissen vermag eine solche  intensive Blockadebehandlung auch das sog. Schmerzgedächtnis zu löschen.

In hartnäckigen Fällen müssen zusätzlich Blockaden der C2-Wurzeln (nur bei Befall des N. occi pitalis major) durchgeführt werden.

Physikalische Therapiemaßnahmen wie Wärme- oder Kälteapplikation, aber auch transkutane Nervenstimulationen können auch bei einer Occipitalneuralgie zur Linderung beitragen.

Eine Okzipitalneuralgie geht häufiger mit höhergradigen psychischen Überlagerungen einher.
Klinische Psychologie: Schmerzbewältigungstraining, Entspannungstechniken.

* Bei der sog. kontinuierlichen Blockade mit Katheter wird vorübergehend (2-3 Wochen) ein dünner Kunststoffschlauch dicht an Nervengeflechte bzw. den betroffenen Nerven eingepflanzt. Die Einpflanzung erfolgt durch eine handelsübliche Kanüle hindurch, es muß also nicht "aufgeschnitten" werden. In der Folge wird über diesen Katheter mehrmals täglich, jeweils nach Abklingen der vorangegangenen Dosis, das Lokalanästhetikum (= örtliches Betäubungsmittel) völlig schmerzlos nachgespritzt. In bestimmten Fällen kann zur Verabreichung des örtlichen Betäubungsmittels durch den Katheter hindurch auch eine kleine Pumpe angeschlossen werden. Dass die schmerzlindernde Wirkung i.d.R. über die eigentliche Behandlungszeit hinaus anhält, ist u.a. darauf zurückzuführen, daß bei dieser Blockadebehandlung auch die sog. vegetativen Nerven betroffen sind, woraus, wie oben schon ausgeführt, eine sehr deutliche Durchblutungssteigerung resultiert (Sympathikolyse). Eine gute Durchblutung optimiert auch den Stoffwechsel eines gestörten oder geschädigten Nervs (Neuropathie, auch Neuralgie !). Nach neueren Erkenntnissen vermag eine solche, intensive, längerfristige Blockadebehandlung auch das sog. Schmerzgedächtnis zu löschen.   

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